Die einen träumen davon, die anderen leben es: Den Winter hinter sich lassen und unter südlicher Sonne Energie tanken. Ich gehöre zu jenen, die seit Jahren regelmässig zwischen Europa und Kapstadt pendeln – ein sogenanntes Schwalbenleben. Es klingt herrlich. Ist es auch. Aber nicht nur.
Warum ich Schwalbe wurde
Als ich das erste Mal in Kapstadt überwinterte, war das eher eine spontane Entscheidung. Doch mit jedem Jahr wuchs die Bindung. Heute ist es ein fester Bestandteil meines Lebensrhythmus. Ich kenne mein Umfeld, bin nicht anonym, nicht einfach nur Besucherin. Das macht einen Unterschied – und verändert den Blick auf das Land.
Die Sonnen-Seiten
Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich für dieses Lebensmodell entscheiden – und ich kann einige davon aus Erfahrung bestätigen:
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Sommer im Doppelpack: Wenn in Europa die graue Jahreszeit beginnt, blüht in Südafrika der Frühling – ein Gefühl wie ein Neuanfang, jedes Jahr aufs Neue.
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Kein Winterstress: Keine Schneeketten, keine Heizkosten, keine kurzen, dunklen Tage.
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Weniger Lebenshaltungskosten: Im Vergleich zur Schweiz oder Deutschland sind viele Dinge in Südafrika günstiger – vor allem Wohnen und Essen.
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Kaum Zeitverschiebung: Praktisch, wenn man beruflich mit Europa verbunden bleibt.
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Vertrautheit: Wer regelmässig pendelt, kennt sich aus – ist nicht Tourist, aber auch nicht Einheimischer. Man lebt in einer Art Zwischenwelt, mit einer gewissen Leichtigkeit (das kann – je nach Perspektive – auch ein Nachteil sein).
Und die Herausforderungen?
Natürlich hat auch diese Lebensform ihre Kehrseiten – oder besser gesagt: ihre praktischen Tücken.
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Flugkosten und Reisedauer: Es ist und bleibt eine Fernreise – mit allem, was dazugehört. Spontane Heimflüge sind teuer und anstrengend.
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Aufenthaltsdauer: Wer kein Visum oder kein südafrikanisches Residence Permit hat, darf nur 90 Tage am Stück bleiben. Danach heisst es: raus – und eventuell neu einreisen.
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Wohnsituation: Viele, die regelmässig überwintern, kaufen irgendwann eine Immobilie, weil es günstiger erscheint als Miete. Aber ein Eigentum bindet – emotional und praktisch. Man fühlt sich verpflichtet, jeden Winter wiederzukommen, um „es zu nutzen“. Andere Länder für den Winter werden damit schnell unattraktiv.
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Flexibilität oder Verpflichtung? Langzeitmiete kann eine gute Alternative sein. Ein Kauf lohnt sich nur, wenn man wirklich langfristig investieren will – oder mit dem Gedanken spielt, ganz auszuwandern.
Fazit
Ein Schwalbenleben ist kein Dauerurlaub. Es ist ein Lebensstil – mit eigenen Routinen, Entscheidungen und auch Einschränkungen. Aber für viele, mich eingeschlossen, ist es ein gutes Modell, um zwei Welten zu verbinden: die europäische Herkunft und die südafrikanische Sehnsucht.
Und vielleicht ist genau dieses Dazwischen das, was es so besonders macht.



